Gefälschtes DW-Video: Kein Rücktritt von Kanzler Merz

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Vorschaubild mithilfe von KI erstellt.

Ein gefälschtes Video, ein echter Kanzler: Was der Fall Merz uns über die Berliner Wahl 2026 lehrt

Ein Fake-Video, ein angeblicher Rücktritt, tausendfach geteilt: Anfang August sorgte eine gefälschte Berichterstattung über Bundeskanzler Friedrich Merz für Aufsehen. Bei Gretchen AI ist das ein Fall, den wir uns genauer angeschaut haben. Nicht zuletzt, weil er ein Muster zeigt, das auch vor der Berliner Wahl des Abgeordnetenhaus im Herbst wichtig ist.

Der Fall: Ein Rücktritt, den es nie gab

Anfang August kursierte auf X ein Video, das die Aufmachung und das Logo der Deutschen Welle nachahmte und – teils über eine Million Mal aufgerufen – behauptete, Bundeskanzler Friedrich Merz werde am 10. August seinen Rücktritt erklären. Als Beleg diente ein angeblicher Bericht des „Handelsblatt“, der sich wiederum auf „interne CDU-Korrespondenz“ stützen sollte.

Nur: Nichts davon war echt. Die DW hat das Video nie produziert, das „Handelsblatt“ bestätigte, dass es weder eine solche Recherche noch eine entsprechende Berichterstattung gab, und auch die CDU-Pressestelle verneinte die Existenz der zitierten internen Unterlagen.

Wie sich die Fälschung entlarven lässt

Wer genau hinschaut, findet die typischen Bruchstellen einer synthetischen Fälschung: An einer Stelle überlappt sich das eingeblendete DW-Logo fehlerhaft, die Off-Stimme klingt nicht muttersprachlich und trägt einen slawischen Akzent, und inhaltlich behauptet das Video sogar eine Bundestagswahl im September – die es 2026 gar nicht gibt. Diese Kombinationen aus visuellen und akustischen Artefakten, und sachlichen Unwahrheiten sind wichtig, um Fake-Content von echten Aufnahmen zu unterscheiden.

Vermutlich Teil eines größeren Netzwerks

Aus Sicherheitskreisen heißt es, das Video sei wahrscheinlich Teil der russischen Desinformationskampagne „Storm-1516“. Die Masche dahinter ist bekannt: vertrauenswürdige Medienmarken werden optisch nachgeahmt, um erfundenen Narrativen Glaubwürdigkeit zu verleihen. Auch Desinformationsexpertin Julia Smirnova zufolge passt die Gestaltung zum bekannten Muster.

Warum das auch für Berlin relevant ist

Der Fall Merz steht nicht für sich allein. Er reiht sich in eine breitere Welle von Desinformation rund um die Landtags- und Abgeordnetenhauswahlen im Herbst 2026 ein. Bereits im Juli waren im Vorfeld dieser Wahlen Fälschungen im Umlauf, die einzelnen Landespolitikerinnen und -politikern öffentlich schwere Straftaten unterstellten, um sie zu diskreditieren. Auch diese Vorfälle werden dem russischen Umfeld zugeordnet.

Der aktuelle Fall steht exemplarisch für ein Muster, das auch im Berliner Wahlkampf auftaucht – gefälschte Zitate, manipulierte Bilder oder Videos und falsche Narrative, die kurz vor dem Urnengang gezielt Verwirrung stiften sollen. Eine Sprecherin des Auswärtigen Amts erklärte dazu am 5. August gegenüber der Presse, „dass Russland jeden Tag in irgendeiner Art und Weise versucht, hybrid und über verschiedene Maßnahmen Einfluss hier in Deutschland zu nehmen, in einer Art und Weise, die versucht, unsere Demokratie zu untergraben, das Vertrauen in Politik und Politiker zu untergraben etc.“.

Wir werden weiter genau hinschauen. Bis zur Berliner Wahl im Herbst wird dieser Fall sicher nicht der letzte gewesen sein, über den wir berichten.

Für ergänzende Hintergründe empfehlen wir den Faktencheck der Deutschen Welle (DW), Ines Eisele, veröffentlicht am 07.08.2026

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